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Im Baedeker „Riviera und Südost-Frankreich“ von 1913 heißt es:
„Die Armut der Bevölkerung wurzelt in einem Mangel an Erwerbssinn und in der althergebrachten Abneigung gegen körperliche Arbeit.“

Das ist eine typisch deutsche Sicht der Dinge. Mein persönlicher Eindruck ist, dass es auf Korsika nicht so sehr darauf ankommt zu arbeiten, um materielle Dinge anzuhäufen, sondern vielmehr um ein Leben nach eigenen Vorstellungen führen zu können.

Auf Korsika leben ca. 240 000 Einwohner. Ungefähr 42 % konzentrieren sich dabei auf die beiden großen Städte Bastia und Ajaccio. Der Rest der Bevölkerung verteilt sich auf zahlreiche kleine Städte und Dörfer auf der Insel.



Die Hauptstadt und gleichzeitig Geburtsort von Napoleon Bonaparte ist Ajaccio.
Ajaccio ist im Lauf der Zeit zu einer französischen Stadt umgebaut worden, wodurch leider sehr viel des ursprünglichen Charakters verloren gegangen ist.
Das kulturelle Zentrum und auch die bedeutend schöner und ursprünglichere Stadt ist Bastia - mein persönlicher Favorit.
Ein sehr großes Problem ist die zunehmende Abwanderung junger Leute auf das Festland, was mit der hohen Arbeitslosigkeit zu tun hat.

Viele Häuser stehen dadurch leer und machen zum Teil einen verfallenen Eindruck
Wenn man nun denkt, man könnte sich ein preiswertes Ferienhäuschen auf Korsika kaufen – weit gefehlt.
Viele Korsen verbringen ihr Berufsleben zwar auf dem Festland - in Frankreich oder anderen Teilen der Welt, aber das Haus der Familie zu verkaufen käme für sie nie in Frage.

Das wäre gleichbedeutend damit seine Wurzel aufzugeben und diese sind bei einem Korsen sehr stark und ziehen ihn in der Regel nach Korsika zurück.

Als Rentner kommen die meisten Korsen daher in ihre Heimat zurück, bauen das Haus wieder auf und verbringen dort ihren Lebensabend.

In der Zeit von 1962 bis 1966 versuchte Frankreich ca. 17000 Algerien-Franzosen auf Korsika anzusiedeln.
Auf Grund der eigenen Mentalität der Korsen funktioniert dies aber nicht wirklich, so das es auch heute noch zu Konflikten kommt.

Häufig sieht man diese Leute als Tagelöhner an der Strasse stehen – von den Korsen werden sie etwas abfällig "Muslime" genannt.

Eine Eigenschaft der Korsen ist hervorstechend – sie sind sehr stolz und misstrauisch gegenüber Fremden – besonders Festlandfranzosen.

Im ersten Moment wirken sie reserviert und manchmal sogar abweisend. Wenn man sich aber die Zeit nimmt die Menschen besser kennen zu lernen, wird man bemerken, dass es sehr herzliche und gastfreundliche Menschen sind.

Die Amtssprache ist Französisch, aber Korsika verfügt auch über eine eigenständige Sprache in Wort und Schrift.
Dies ist eine Mischung aus Latein, Italienisch, etwas Französisch und anderen Sprachquellen.

Nachdem über Jahre hinweg durch Vorschriften vom Festland versucht wurde die Sprache zu verdrängen, wird seit einigen Jahren den Kindern in der Schule Korsisch als zweite Muttersprache gelehrt.

Auch das ist ein kleiner Erfolg für die Korsen beim Streben von mehr Unabhängigkeit von Frankreich.



Die Mittel zur Erreichung dieser Ziele sind recht unterschiedlich. Während der größte Teil der Bevölkerung sich zu Frankreich gehörig fühlt und versucht mehr Eigenverantwortung auf politischen Weg zu erreichen, gibt es da auch noch die FLNC.

Die FLNC (Front pour Libération National Corse) ist in der Wahl der Mittel etwas weniger zimperlich. Da kann es schon einmal Vorkommen, dass des Nachts ein illegal gebauter Bungalow oder ein Restaurant gesprengt wird.
Ein sehr drastisches Beispiel ist die Sprengung einer Großdisco in der Nähe von Bonifaccio.
So radikal diese Mittel auch sind – so ein Objekt passt einfach nicht zum Charakter der Insel.

Die Sympathie der Bevölkerung mit der FLNC ist schon gegeben, was sich darin widerspiegelt, dass sich die Ermittlungsergebnisse der Polizei in Grenzen halten.



Szene einer Vendetta



Überhaupt sind die Korsen bestrebt ihre Probleme selber zu lösen. Noch vor einiger Zeit geschah dies noch durch die Vendetta – eine Blutrache, bei der die ganze Familie zuständig war eine Ehrbeleidigung zu rächen.
Oft führte das dazu, dass ganze Familien ausgelöscht wurden.

Eindruscksvoll wird dies im Roman Colomba von Prosper Merimee (ISBN 3-15-001244-9) beschrieben

Wie man mir versichert hat, ist dem heute nicht mehr so.

Wenn man sich als Tourist abfällig über Korsika äußert, hat man extrem schlechte Voraussetzungen als Freund betrachtet zu werden.

Obwohl Korsika eine recht kleine Insel ist, so ist sie doch in 2 Departements unterteilt. Die spiegelt sich in den Autokennzeichen wieder, wobei 2A für Haute Corse und 2B Für Corse Süd steht.